Vilafranca del Penedès: Ein Ausflug in die katalanische Weinhauptstadt


Der erste Besuch, den Olivier mit Laure Barcelona abstattete, war eine Katastrophe. Er wollte sie davon überzeugen zu bleiben und sich hier niederzulassen, aber das Wetter verriet ihn. Es regnete, starke Winde kamen auf und das Thermometer stürzte ab. Der Himmel war an jenen Tagen nicht genau das was der junge Franzose erwartet hatte, um seine Verlobte dazu zu überreden, Lyon zu verlassen und nach Katalonien zu ziehen. „Wir kommen wieder“, dachte er.

Fünfzehn Jahre später ist Olivier ein waschechter Barcelonese geworden und so oft es geht macht er einen Ausflug nach Vilafranca del Penedès, der katalanischen Weinhauptstadt.

 

Das erste, so erzählt er, was er bei seiner Ankunft in Katalonien gefragt wurde, war „Was kannst du?“. Und seit damals hat er nicht aufgehört: Er kündigte seine Arbeit als Verkäufer und initiierte den heute meistgelesenen französischen Barça-Blog der Welt. Er heißt Barça Inside. Außerdem begann er vor wenigen Jahren auch, Führungen zum Camp Nou für Touristen aus aller Welt zu organisieren. Es ist vermutlich einer der Menschen, die am besten mit den Einrichtungen des Barça vertraut sind, auch wenn l‘Olympique sera toujours dans son coeur (er l’Olympique stets im Herzen tragen wird).

Wenn es um Freizeitgestaltung geht, lassen Olivier und Laure den Rummel der Metropole hinter sich. Sie nehmen den Zug im Bahnhof Sants, ganz in der Nähe ihrer Wohnung, und gönnen sich wann immer es geht eine Auszeit in der sogenannten katalanischen Weinhauptstadt Vilafranca del Penedès, wo wir ihn heute getroffen haben. „Wenn man das Hinterland entdeckt, versteht man die Wurzeln Kataloniens“, versichert der aus Lyon stammende Franzose auf einem Bummel durch das Altstadtviertel.

Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Vilafranca lohnt sich: „Sobald der Zug Barcelona verlässt, beginnen die weitläufigen Felder mit mediterranen Reben und vierzig Minuten später ist man schon in Vilafranca“. Außerdem liegt der Bahnhof mitten im Ortszentrum: „Es ist eine sehr gute Option für einen Tagesausflug“, erklärt Olivier und grüßt dabei ein bekanntes Gesicht.

Denn wenn das schöne Wetter kommt füllen sich die Fußgängerzonen in Vilafranca mit Leben. Die Kellner in den Straßencafés laufen hin und her, die Geschäfte in der Innenstadt haben mehr Kundschaft und hunderte von Familien bummeln durch diese Straßen mit mittelalterlicher Atmosphäre. Olivier sagt, dass er vor allem wegen den Kindern kommt: „Wir machen Ausflüge mit dem Rad, gehen durch die Felder spazieren und im Park spielen“.

Der Platz der Stadt, die mit ihren historischen Casteller-Festen als Hochburg der Menschenturmbauer gilt, gehört zu den Kultorten der Stadt. Auf der einen Seite liegt der Palast Macià und gegenüber, ein gotischer Palast, der die Stadtverwaltung der Gemeinde beherbergt. Einmal hier angekommen ist ein Stadtplan auch für einen ersten Besuch überflüssig: „Von hier aus kann man sich in den Gassen der Umgebung verlaufen, denn sie haben alle ihren Charme“.

Hier gilt es, mehr als an irgendeinem anderen Ort beim Bummel durch die Straßen die Augen offen zu halten, um keinen der architektonischen Schätze, die in der Gemeinde noch erhalten sind, zu verpassen. Olivier erzählt uns von der Basilika Santa Maria, vom Friedhof des Orts als Kulturgut, vom Landwirtschaftlichen Zentrum. Und auch vom Haus Miró von Santiago Güell im Modernisme-Stil, das mit anderen Worten nach den Vorgaben des französischen Art Nouveau oder Jugendstil, der im ausgehenden 19. Jahrhundert die Pyrenäen überquerte, errichtet wurde.

Der beste Abschluss für einen Bummel durch Vilafranca ist die Verkostung eines Weins aus dem Penedès. Olivier hat dafür eine wenig übliche Anlaufstelle. Es gibt zwar sehr viele Weinkellereien in der Umgebung dieser Stadt, aber er schlägt das Vinseum, das Museum der Weinkultur Kataloniens, vor. Es liegt genau in der Mitte der Gemeinde, genauer gesagt im ehemaligen Königspalast der katalanisch-aragonesischen Krone, der zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert errichtet wurde und in dem heute eine breite Vielfalt an Weinen aus der Region kredenzt wird. Wenn die Sonne dann untergeht und vor einem guten Abendessen mit Erzeugnissen des Landes ist der Moment zum Entspannen und für vertraute Gespräche gekommen: „Ein Franzose wird sicher sagen, dass sein Wein besser ist, aber bei mir haben diese Weine Zweifel geweckt!“, versichert Olivier lachend.

Als Ergänzung zum Besuch legen wir Ihnen nahe:

  • Das Vijazz, dieses Festival bringt das Beste aus der Welt der Önologie und des Jazz nach Vilafranca.
  • Das Fest des Heiligen Felix, die zentrale Veranstaltung beim Stadtfest von Vilafranca, ruft die zu diesem Zeitpunkt besten Gruppen von Castellers (Menschenturmbauern) zusammen.
  • Ein Ausflug auf den Berg Santa Pau, mit dem besten Blick auf das Vilafranca des Weinanbaus.
  • Die Anlage von Sant Martí Sarroca, eine Reise direkt ins Mittelalter, nur zehn Minuten von Vilafranca entfernt.


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