Gaudís „neues“ Werk: Das Wohnhaus Xalet del Catllaràs

Wussten Sie, dass sich in der Region Berguedà eines der weniger bekannten Kunstwerke von Antoni Gaudí verbirgt? In La Pobla de Lillet wusste man es längst, unter den Einheimischen war es ein offenes Geheimnis – und auch die Experten hatten es geahnt. Doch erst im Jahr 2026 wurde seine Urheberschaft durch den Gaudí-Lehrstuhl der Polytechnischen Universität Kataloniens endgültig bestätigt.

Inmitten des Catllaràs-Gebirges stoßen Besucher ganz unerwartet auf ein einzigartiges, von Wäldern umgebenes Gebäude. Es handelt sich um das Xalet del Catllaràs: Ein bescheidenes Bauwerk, das sich perfekt in die Landschaft einfügt und mit seiner Form und Schlichtheit überrascht. Seine ganz besondere Silhouette passt sich mit dezenter Eleganz an die Umgebung an.

 

Eusebi Güell, Antoni Gaudí und das Catllaràs-Gebirge

Dieses Gebäude wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts erbaut und zeugt von der intensiven Beziehung zwischen dem Industriellen Eusebi Güell und Antoni Gaudí. Güell betraute den Architekten aus Reus mit mehreren Projekten, die es ihm ermöglichten, sich gestalterisch über den konventionellen Modernismus hinaus neu zu erfinden.  Dem architektonischen Feingefühl und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Unternehmers verdanken wir großartige Bauwerke wie den Palau Güell in Barcelona, die Gaudí-Krypta in der Mustersiedlung Colònia Güell oder den Park Güell.

Eusebi Güell war der Gründer des Zementunternehmens Asland und errichtete die erste Zementfabrik im Gebiet des Clot del Moro in Castellar de n'Hug (heute das Zementmuseum von Castellar de n'Hug). Für deren Betrieb mussten die Kohlegruben im Gebiet von Catllaràs genutzt werden, die weit von Pobla de Lillet, der nächstgelegenen Ortschaft, entfernt lagen. Daher beschloss er, eine eigene Unterkunft errichten zu lassen, die den in die Region entsandten Arbeitern und Ingenieuren lange Anfahrtswege ersparen würde.

 

Das Xalet

Die Bauarbeiten wurden zwischen 1902 und 1903 durchgeführt. Auch wenn nicht ganz klar ist, in welchem Umfang Gaudí den Bau überwachte – der zeitgleich mit anderen Projekten wie dem Park Güell stattfand –, ist seine Handschrift deutlich erkennbar. Doch eine aktuelle Studie des Gaudí-Lehrstuhls hat festgestellt, dass Gaudí die Urheberschaft nie für sich beansprucht hat. Was konnte der Grund dafür sein? Man vermutet, dass die Umsetzung des Werkes und die Änderungen durch Dritte dazu führten, dass es seine ursprüngliche formale und strukturelle Bedeutung verlor.

Architektonisch zeichnet sich das Gebäude durch das Dach in Form eines spitzbogigen Tonnengewölbes aus, das in die Seitenwände übergeht. Im Inneren findet diese Form ihre perfekte Weiterführung in dem typischen Kettenlinienbogen, den Gaudí in anderen Projekten entwickelte.

Die Räumlichkeiten erstrecken sich über drei Etagen und wurden optimal genutzt. Ihre Ausstattung entsprach jeweils dem Rang und der Bedeutung der Arbeiter, die dort wohnten. Bemerkenswert ist auch die Lösung der Außentreppe, die die verschiedenen Etagen verbindet – ein Element, das im Laufe der verschiedenen Renovierungen entfernt und durch eine Metalltreppe ersetzt worden war, die völlig mit dem ursprünglichen Konzept des Projekts brach. Die umfassende Restaurierung im Jahr 2019 ermöglichte ihren Wiederaufbau, und heute hat das Gebäude wieder sein ursprüngliches Aussehen.

Derzeit kann das Xalet del Catllaràs nur von außen besichtigt werden. Es bleibt vorerst geschlossen, bis die Gemeinde von La Pobla de Lillet (an die das Gebäude 1932 abgetreten wurde) über die am besten geeignete Nutzung entschieden hat: Als Architekturerbe, das besichtigt werden kann, und als kulturelle oder touristische Einrichtung. Im Laufe der Jahre erfuhr das Xalet ganz unterschiedliche Nutzungen – in den siebziger Jahren etwa als Unterkunft für Ferienlager – und stand zeitweise auch leer.

 

Anfahrt zum Xalet del Catllaràs

Von La Pobla de Lillet aus können Besucher das Bauwerk zu Fuß oder mit dem Fahrrad mitten durch die Natur und die frische Luft erreichen. Ein Rundweg führt an verschiedenen Orten vorbei, die darauf warten, entdeckt zu werden. Die Route präsentiert keine technischen Schwierigkeiten, beachten Sie aber, dass die Wanderung bei einer Länge von 17 km ca. 4:45 Stunden in Anspruch nimmt und erhebliche Höhenunterschiede zu bewältigen sind. Der Rundweg beginnt in La Pobla de Lillet und führt hinauf zum Kloster Santa Maria und zur Burg von Lillet. Anschließend geht es weiter zum Xalet de Catllaràs, zum Aussichtspunkt Roc de la Lluna, zum Aussichtspunkt Joc de Pilota und zum Felsen von Catllaràs. Von hier aus führt der Weg bergab zum Camp de l'Ermità und zur Einsiedelei Falgars, um schließlich über den abgestuften Camí dels Graus nach Pobla de Lillet zurückzukehren. Die Route – mit Beschilderung des PR-C 52 und GR 4 – ist zwar lang und weist einen beachtlichen Höhenunterschied auf, ist jedoch gut markiert und präsentiert keine technischen Schwierigkeiten.


 

 

Und was gibt es in der Nähe des Xalet del Catllaràs noch zu sehen?

Wenn Sie einen Besuch in der Gegend planen, sollten Sie Folgendes unbedingt gesehen haben:

 

Anfahrt nach La Pobla de Lillet

  • Mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Sie können mit Zügen der RENFE oder FGC nach Manresa reisen und die Fahrt mit dem Bus (Unternehmen ALSA) nach La Pobla de Lillet fortsetzen. Alternativ fahren Sie mit RENFE nach Campdevànol und setzen die Reise mit dem Bus (Autocars MIR) nach La Pobla de Lillet fort.
  • Im Privatfahrzeug (von Barcelona aus) Nehmen Sie die C-16 nach Guardiola de Berguedà, wo Sie auf die B-402 nach La Pobla de Lillet abbiegen. Sie können auch die C-17 nach Ripoll nehmen.
 


Weiterführende Informationen:

Tourismus in La Pobla de Lillet
Kulturelles Erbe der Provinzialverwaltung Barcelona
Catllaràs-Gebirge
Das Zementmuseum von Castellar de n'Hug
Rundweg in Catllaràs

AVÍS

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